Jedes Jahr ab Mitte November das gleiche Bild: Zimtstange, rote Kugel, Lichterkette im Hintergrund, Beige-Filter drüber. Content Creation für Weihnachten scheint für die meisten Betriebe vor allem eine Deko-Frage zu sein. Und ehrlich, ich versteh’s – als Content Creator ist der Advent die unangenehmste Jahreszeit überhaupt. Um halb vier ist das Licht weg, die Kundin braucht schnell noch vier Reels vor dem 1. Advent, und über Oberschwaben hängt dieser Nebel mal morgens und dann schon wieder abends, der alles grau aussehen lässt. Und dann landen bei vielen m Ende genau die Fotos im Feed, die man schon hundertmal gesehen hat. Warum das so ist, hat mich beschäftigt. Die Antwort hatte am Ende erstaunlich wenig mit Deko zu tun.
Warum fast alle Weihnachtsbilder gleich aussehen
Letzten Winter hab ich zwischen Ulm und Friedrichshafen mit mehreren Betrieben über Weihnachtscontent gesprochen. Alle hatten dieselbe Idee im Kopf. Tannenzweig hinlegen, Kerze an, abdrücken. Das Problem daran ist nicht der Tannenzweig. Deko ist ein Hinweisschild, kein Gefühl. Wer Weihnachten über Requisiten erzählt, erzählt dasselbe wie der Mitbewerber zwei Dörfer weiter. Winterlich wirkt ein Bild über Licht, Farbe und Oberfläche – nicht über die Anzahl der Sterne am Bildrand.
Lichtstimmung schlägt Deko. Immer.
Der graue Dezemberhimmel ist besser als sein Ruf. Nebeltage sind die größte Softbox, die du kriegen kannst. Das Licht ist weich, es gibt keine harten Kanten, Hauttöne und Lebensmittel sehen damit fast immer gut aus. Ich stell mich zwischen 10 und 14 Uhr ans Nordfenster, Vorhang weg, Deckenlampe aus. Mehr braucht’s oft nicht für stimmungsvolle Bilder und Videos.
Eine warme Lichtquelle, der Rest kühl. Das ist der eigentliche Trick. Winter entsteht im Kopf durch den Kontrast zwischen warm und kalt: eine Kerze, eine Lichterkette oder eine kleine Lampe als warmer Punkt, drumherum das bläulich-graue Tageslicht. Deshalb wirkt die blaue Stunde ab etwa 16:30 Uhr so gut für Außenaufnahmen – Fensterlicht gegen Dämmerung, fertig ist die Stimmung.
Produkte, Essen und Locations sind drei verschiedene Baustellen
Produkte brauchen vor allem Ruhe. Ein Untergrund mit Struktur (Leinen, altes Holz, Stein), ein einziges Deko-Element, fertig. Ich arbeite am liebsten mit Schattenwurf statt mit Gegenständen – ein Ast vors Fenster gehalten, und du hast ein Winterbild ohne eine einzige Kugel.
Essen ist der Fall, bei dem die meisten übertreiben. Gebäck, Glühwein, Käsebrett: Das sieht von sich aus schon weihnachtlich aus. Hier zählen Dampf, Krümel und eine Hand im Bild. Ich fotografier Essen fast nur noch von schräg oben oder fast auf Augenhöhe, nie mittig von vorn. Und ich lass den Teller bewusst etwas unordentlich.
Locations sind in unserer Region Gold wert, werden aber kaum genutzt. Kannst Du deine Produkte transportieren? Alternativ 1-2 thematisch passende „talking head“ Videos draußen. Nebel über dem Federsee, nasser Asphalt in der Bad Saulgauer Altstadt, eine beleuchtete Fassade im Allgäu, der Bodensee bei Hochnebel. Solche Bilder erkennen deine Kundinnen sofort wieder – und genau das ist der Punkt, über den Marketing für lokale Unternehmen überhaupt funktioniert. Regionalität nutzen, für regionale als auch überregionale Produkte.
Mein Ablauf an einem Shootingtag im Advent
Ich plane zu dieser Jahreszeit am liebsten in Zeit-Blöcken statt einem großen Termin. Vormittags funktionieren Bilder und Videos von Produkten am Fenster mit Tageslicht, ab 16 Uhr dann Motive für die Dämmerung nutzen. Je nach Aufwand, und was noch in der Content-Datenbank verfügbar ist, kann bereits eine Stunde vor Ort ausreichend sein für über 10 verwendbare Motive und zahlreiche Clips für Reels und Story-Postings. Welche Themen übrigens gerade im Trend sind auf Social Media, hab ich in den Reel-Hooks für Oktober 2026 gesammelt.
Häufige Fragen zu Content Creation an Weihnachten: Bilder, Timing und Planung im Advent
Wann sollte ich mit der Content Creation für Weihnachten anfangen?
Idealerweise im Oktober, spätestens in der ersten Novemberwoche. Das hat zwei Gründe: Erstens brauchst du für winterliche Außenaufnahmen Tageslicht, und das wird ab Mitte November in Süddeutschland knapp – nutzbares Licht hast du dann nur noch zwischen etwa 9:30 und 16:00 Uhr. Zweitens laufen die ersten Weihnachtskampagnen bereits ab dem 1. Advent, du brauchst die Bilder also vorher fertig. Ein realistischer Zeitplan: Shooting Ende Oktober, Bearbeitung in der ersten Novemberhälfte, Veröffentlichung ab Mitte November mit Schwerpunkt auf den vier Adventswochenenden.
Wie fotografiere ich Produkte winterlich, ohne dass es kitschig wird?
Reduziere die Deko auf ein einziges Element und arbeite stattdessen mit Licht und Textur. Konkret: ein strukturierter Untergrund (Leinen, unbehandeltes Holz, Naturstein), weiches Fensterlicht von der Seite und eine warme Lichtquelle wie eine Kerze im Bild. Der Wintereindruck entsteht durch den Kontrast zwischen warmem Kunstlicht und kühlem Tageslicht, nicht durch Tannenzweige, rote Kugeln oder Sterne-Overlays. Eine gute Faustregel: Wenn du auf dem fertigen Bild mehr als zwei Weihnachtsrequisiten zählst, ist es eine zu viel.
Welche Tageszeit eignet sich im Dezember am besten für Außenaufnahmen?
Für Außenaufnahmen im Dezember sind zwei Zeitfenster am besten: die Mittagsstunden zwischen 11 und 14 Uhr für neutrale, weiche Bilder und die blaue Stunde ab etwa 16:15 bis 17:00 Uhr für Stimmungsaufnahmen. Die blaue Stunde ist besonders stark, wenn Schaufenster, Fassaden oder Lichterketten bereits leuchten und der Himmel noch Restlicht hat. Nebeltage, wie sie in Oberschwaben und am Bodensee häufig sind, wirken dabei wie ein riesiger Diffusor und liefern sehr weiches, gleichmäßiges Licht.
Brauche ich eine professionelle Kamera für Weihnachtscontent?
Nein. Aktuelle Smartphones liefern bei ausreichend Tageslicht Ergebnisse, die für Instagram, Facebook und Google Business Profile vollkommen reichen. Entscheidend sind drei andere Dinge: eine saubere Linse, Licht von der Seite statt von vorn und ein ruhiger Hintergrund. Grenzen hat das Handy bei schwachem Licht nach 16 Uhr und bei Kerzenschein – dort entsteht schnell Bildrauschen. Für Innenaufnahmen im Advent lohnt sich deshalb entweder ein Stativ oder eine Kamera mit größerem Sensor.
Wie viele Weihnachtsbilder brauche ich für einen Monat Social Media?
Für eine Posting-Frequenz von drei bis vier Beiträgen pro Woche solltest du mit etwa 20 bis 25 verwertbaren Motiven plus drei bis fünf kurzen Videoclips rechnen. Das lässt sich an einem oder mehreren geplanten Shootingtagen produzieren. Plane zusätzlich bewusst Zwischenaufnahmen ein – Hände, Arbeitsschritte, Details –, weil genau dieses Material später für Reels und Storys eventuell fehlt.
Lohnt sich Weihnachtscontent auch für Handwerksbetriebe und Dienstleister?
Ja, aber mit anderem Fokus als im Einzelhandel. Handwerksbetriebe, Kanzleien oder Praxen verkaufen im Dezember selten saisonale Produkte, profitieren aber von Nähe und Sichtbarkeit. Was funktioniert: Jahresrückblicke, Einblicke ins Team, Urlaubs- und Notdienstzeiten, abgeschlossene Projekte des Jahres. Winterliche Bildsprache sorgt dabei für den saisonalen Rahmen, ohne dass du inhaltlich etwas Weihnachtliches verkaufen musst. Gerade für lokale Betriebe in Regionen wie Oberschwaben, dem Allgäu oder rund um Ulm ist der Dezember einer der stärksten Monate für Reichweite in der direkten Umgebung.


